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Geschichte

Fährt man von Kröpelin die Landstraße Richtung Rerik kann man auf der linken Seite unweit der Fahrbahn zwei Großsteingräber entdecken. Großsteingräber gehören zu den geheimnisvollsten und beeindruckendsten Stätten der mecklenburg-vorpommerschen Geschichte. In der Jungsteinzeit vor über 5000 Jahren wurden diese Grabanlagen mit purer Muskelkraft aufgebaut. Das Material dafür brachte viele Jahre zuvor die letzte Eiszeit. Mit dem Abschmelzen des Eiswalls blieb das aufgeschüttete Geröll liegen, weshalb die sogenannten Findlinge noch bis heute ganz Mecklenburg-Vorpommern übersäen. Die Menschen der Jungsteinzeit schichteten die Findlinge aufeinander und erbauten damit ihre Grabkammern. In den Gräbern entdeckten Archäologen menschliche, wie auch tierische Knochen, Keramiken, Feuersteinwerkzeuge und auch Bernsteinperlen. Interessanterweise fand sich fast nie ein vollständiges Skelett, sondern immer nur einzelne Knochen oder Schädel. Bis heute ist ungeklärt, wie die Menschen damals die Großsteingräber nutzten und welchen Zweck sie in ihrer Gemeinschaft einnahmen. Waren sie Opferstätten, spirituelle Orte oder Landmarken der Macht? Diente die Grabkammer einer Familie, einem Dorf oder einem ganzen Volksstamm? Diese Fragen können nur schwer von den Archäologen beantwortet werden. Fakt ist, dass nur wenige Großsteingräber die Zeit überdauert haben. Viele wurden für den Bau von Gutsanlagen, gepflasterten Chausseen, Kaimauern oder Fundamenten für Häuser und Kirchen geopfert. Übrig geblieben sind knapp 400 Großsteingräber, die sich auf ganz Mecklenburg-Vorpommern verteilen.

Die beiden Großsteingräber nahe Rerik sind nicht nur gut zu erreichen, sondern auch von unterschiedlicher Bauweise. Das Großdolmen-Grab hat eine nahezu rechteckige Grabkammer, die durch einen Gang an der Stirnseite zugänglich war. Die Kammer selber ist ungefähr 5 Meter lang, 1,90 Meter breit und 1,60 Meter hoch. Als es 1967 untersucht wurde, war die Grabkammer bereits geplündert. Mehr Glück hatten die Archäologen in dem benachbarten Ganggrab. Dort konnten über 380 Funde geborgen werden, darunter auch ein Tongefäß mit einer Gesichtsdarstellung. Im Gegensatz zu den Großdolmen-Gräber wurden Ganggräber mit Erde beschüttet, sodass die geschlossene Grabkammer nur über einen Gang in den Hügel hinein erreicht werden konnte. Die Ausgrabungen ergaben, dass das Ganggrab über 300 Jahre in Benutzung war. Vergegenwärtigt man sich das Alter dieser Stätten, spürt man, dass dieser Ort eine ganz besondere Aura ausstrahlt. Großsteingräber sind die ältesten Bauwerke Mecklenburg-Vorpommerns und bieten ihren Besuchern einen einzigartigen Blick auf die Vergangenheit.