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Stories 34: Sturmtief Zeetje

Das Rathaus in Röbel
Stories 33: Die Hirten von Röbel
17. Dezember 2018
  1. Folge 34: Sturmtief Zeetje Audiofish Stories 4:48
Natur

In der Nacht vom ersten zum zweiten Tag dieses neuen Jahres wurde Mecklenburg-Vorpommern vom Sturmtief „Zeetje“ getroffen. Während im Landesinneren umstürzende Bäume und weggerissene Dachziegel zur Gefahr von Leib und Leben wurden, war es an der Küste der Wasserpegel der Ostsee. Die Küstenschutzanlagen des Landes mussten Pegel von bis zu 1,80 m über Normalzustand bewältigen. Auf Usedom zerstörte das Wasser einen Strandpavillon, in Rostock musste ein Teil der B105 gesperrt werden und in Wismar wurden vorsorglich die Keller abgedichtet. Das Wasser nagte auch an den Stränden, Dünen und Steilküsten, die dem Hinterland als natürlichen Schutz dienen. Doch wie entstehen solche Sturmhochwasser?

Da die Ostsee ein fast abgeschlossenes Binnenmeer ist, weist sie eine Besonderheit auf: den „Badewanneneffekt“. Drückt starker Wind das Wasser von einem Teil der Ostsee in einen Anderen, schwappt es bei nachlassender Windstärke rasch zurück und führt so zu erhöhten Wasserständen. Kommt zu diesem Effekt noch Sturm aus Nordost bis Nord hinzu, kann das Wasser noch deutlich höher auflaufen.

Die größte Sturmflut, die bisher an der Ostsee aufgezeichnet wurde, erreichte die Küste am 13. November 1872. Damals kletterten die Pegel auf 3,50 m über Normal. Hunderte Menschen kamen ums Leben, mehr als 600 Schiffe sanken und ganze Ortschaften wurden zerstört. Der folgende Bericht von Karl von Rosen ist wahrscheinlich nur wenige Jahre jünger und beschreibt noch auf eine romantische Art und Weise den Kampf zwischen Natur und Mensch an der Ostseeküste.

Westlich von dem rügischen Insellande, das mit seinen glänzenden Kreideufern aus der Unermesslichkeit des Meeres emporsteigt, dehnen sich die Gestade unserer Heimat in wechselvollen Schwingungen bis an die Grenzen unsers Nachbarstaates; seit Jahrtausenden von diesem durch unergründliche südwärts herabstreichende Moore geschieden, nordwärts jedoch durch einen schmalen dünengeränderten Streifen Sandes verbunden. An diese Landenge, welche, aus der endlosen Bläue der Meeresflut heraustretend, sich bald zu einer größeren Feste erweitert, schließt sich, im Norden von der Ostsee, im Süden von unzähligen, tief einschneidenden Bodden, Wieken und Wasserengen angespült, und an einer Stelle selbst von einem seichten Meeresarm durchbrochen, ein wunderbares Land eine Vereinigung von Inseln und Halbinseln, von Wasser und Ebene, von buntem Wechsel und starrer Einförmigkeit, wie es selten auf der Erde gefunden werden mag. Je mannigfaltiger nämlich die Linien der südlichen Küste in die Binnengewässer vorspringen und zurücktreten desto glatter und grader stehen die nördlichen Ufer gegen die furchtbare Kraft des Baltischen Meeres, dessen unablässig tobende Brandung hier schon in der Vorzeit alles kühn Hervorragende und tapfer Widerstrebende niedergekämpft zu haben scheint. Indessen, trotz aller scheinbaren Ausgleichung herrscht an diesen Gestaden auch noch heute kein Friede; Tag und Nacht leckt die Woge mit schmeichelnder Zunge wider den Strand, oder sie sendet, wenn sie die trügerische Feiertagsruhe abgelegt, unter Führung des Nordsturms ihre sprühenden Geschwader zum offenen Kampfe: Zugleich aber gewährt das drohende Element zu den stärksten Ausbrüchen seiner Wut grade die Mittel zu Schutz und Verteidigung der Küste, indem seine Brandung in der Düne dem gefährdeten Lande einen schützenden Wall aufzuwerfen gezwungen. Dennoch trotz aller eingewurzelten Festigkeit trotz aller wogenbrechenden Gewalt und Stärke ist die Düne nicht immer siegreich; auch sie hat ihre schwachen Stellen, ihre lockeren Sandfügungen, ihre wankenden Häupter und Kuppen, welche oft vor den Angriffen des Meeres zurückweichen. Da hat sich denn der Mensch ihr als Helfer geseilt, hat sie von Grund aus kennenzulemen gesucht, ihren Mängeln und Fehlern nachgeforscht, hat daran gebessert und geflickt ohne daß trotz aller schweren und harten Arbeit etwas anderes erreicht wäre, als Stückwerk.
So liegt denn die Düne am Rande einförmiger Heiden und verkrüppelter Nadelgehölze, mit ihren hohen grauweißen Hügelketten sich fessellos hebend und senkend, unter düsterem wolkenschwerem Himmel; in ihren stumpfen und zertrümmerten Zügen ihren trüben Farbentönen ein Bild irdischer Schwäche und Unvollkommenheit, zugleich aber mit einem Hauche stiller Hoheit von einer ebenso Ehrfurcht als Zagen erweckenden Macht umweht.