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Stories 28: Die Maränen im Schaalsee bei Zarrentin

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  1. Folge 28: Die Maränen im Schaalsee bei Zarrentin Audiofish Stories 3:41
Sagen & Märchen

Der Ort Zarrentin, am südwestlichen Ende des Schaalsees gelegen, erhielt im dreizehnten Jahrhundert ein Nonnenkloster des Zisterzienserordens. In der Mitte des Fleckens, auf dem Kirchenplatze, steht noch das mittelalterliche, massiv aus Mauerstein ausgeführte Klostergebäude, und wo einst fromme Ordensschwestern in stiller Beschaulichkeit lebten geräuschlosen Schrittes zur Hora und Vesper eilten, da wird jetzt über die Aufrechterhaltung bürgerlicher Gesetze gewacht und Steuer und Pacht erhoben.
Wie überall, wo Klöster angelegt wurden, ist auch der Flecken Zarrentin sehr hübsch gelegen, und besonders ist es der mit schönem Laubholz umstandene Schaalsee, der dem Orte und der ganzen Gegend einen eigentümlichen Reiz verleiht.
In nicht geringem Ansehen steht der See aber dadurch, daß sich in ihm die so schmackhafte große Maräne – salmo muraena – findet. Dieser Fisch, der im mittelländischen Meere und in den Seen Italiens heimisch ist, stand schon bei den Römern wegen seines schmackhaften Fleisches in großem Rufe, so daß die Begüterten eigene Maränenteiche hatten.

Die Nonnen des Zarrentiner Klosters hatten genug von dem schönen Fische gehört, um lüstern nach ihm auszuschauen. Aber Italien mit seinen Teichen und das mittelländische Meer ist weit, – wo ist der Bote zu finden, der beflügelten Fußes das Verlangen der genügsamen Schwestern stillt? Da nahet sich ihnen, wie überall, wenn die Begierde der Sinne maßlos wächst, der Teufel, und indem er noch ihre Lust zu erhöhen sucht, bietet er sich ihnen als Bote an. Die Nonnen beben zurück vor dem Vater der Lüge; sie wollen doch lieber dem Genüsse entsagen, als mit ihm in irgend eine Gemeinschaft treten. Aber so leicht gibt Jener seine Versuchungen nicht auf, und als die Schwestern sich nicht länger der Lust erwehren können, übernimmt der Teufel die Botschaft; jedoch muss er sich verpflichten, die Maränen zu Mittags 12 Uhr auf den Tisch zu stellen, wofür sich die Nonnen ihm zum Eigentum versprechen.
Schnell macht sich der Böse auf den Weg. Doch kaum ist er von dannen, als die Schwestern Reue und Grauen vor dem Schrecklichen ergreift. Sie treten beratend zusammen und kommen bald darin überein, den Zeiger der Turmuhr, der schon auf halb zwölf steht, eine halbe Stunde weiter zu schieben. Es geschieht, und kaum ist der letzte Schlag der Mittagsstunde verklungen, als der Teufel über den Schaalsee daher fährt und in seinem Grimme, daß ihm der Lohn entgangen, die Fische in das Wasser fallen läßt.
Der Schaalsee nahm die Fremdlinge auf und sie sollen in demselben bis auf unsere Tage herab prächtig gedeihen.


Leider ist die Population der Maränen im Schaalsee nicht prächtig gediehen, sondern über die Jahre gewaltig geschrumpft. Heute stehen die schmackhaften Fische auf der roten Liste und kommen nur noch selten auf die Speisekarte. Die Zisterzienser Nonnen erwartete auch kein besseres Schicksal: Sie mussten sich aufgrund der Reformation im Jahre 1552 ein neues Zuhause suchen. Der Zahn der Zeit zerstörte den Süd- und Westflügel der ehemaligen Klosteranlage, womit nur noch der Ostflügel an diese Epoche erinnert. Nach der Wende wurden die Gebäude rund um die Kirche St. Petrus und St. Paulus aufwendig saniert und restauriert. Heute ist das Gelände der Öffentlichkeit zugänglich und erinnert mit einer Ausstellung an die Historie der Stadt Zarrentin am Schaalsee.