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Stories 26: Die Legende vom heiligen Damme

Wohnhaus von Paul Korff
Stories 25: Der Architekt Paul Korff
27. August 2018
  1. Folge 26: Die Legende vom heiligen Damme 3:03
Sagen & Märchen

Namensgeber für den Ort Heiligendamm ist der Steinwall entlang der Küste Richtung Börgerende-Rethwisch. Dieser 4 km lange, 3-5 m hohe und 20-70 m breite Steinwall war schon vor der Gründung des Seebades ein beliebtes Ausflugsziel. Der Legende nach soll der „Heilige Damm“ um das Jahr 1427 in einer einzigen Sturmnacht von den Wellen entlang des Ufers aufgetürmt worden sein. Eine schreckliche Überschwemmung bedrohte damals das nördliche Mecklenburg und seine Bewohner. Alle Kräfte wurden aufgeboten, um das Eindringen des Meeres, welches das ganze Niederungsgebiet bis Doberan überflutet hatte, aufzuhalten. Mit viel Mühe und großen Kosten wurde an der Küste ein Damm aus Mist, Steinen und Holz errichtet. Aber alle Anstrengungen waren vergebens; was am Tage erbaut war, zerstörten die Fluten in der Nacht. Die verzweifelten Küstenbewohner vereinbarten einen letzten Versuch zu wagen. Die Mönche des Doberaner Klosters und die umliegenden kirchlichen Gemeinden flehten Gott an sie bei dieser schwierigen Aufgabe zu unterstützen. Die Gebete wurden erhört. In der Nacht geschahen „große ungewohnte und wunderbare Dinge“, wie der Arzt und Schriftsteller Konrad Laurenberg 1627 berichtete:

„Denn es ertönte plötzlich ein Gebrause, Krachen und großes Geräusch mit starken Donnerschlägen; das Geschrei und Geheule der wilden Tiere erscholl; Sturm und Küstenwinde sausten und das Meer, die Wälder und Äcker schienen in Feuer zu stehen. Dies Ungewitter dauerte die ganze Nacht und setzte alle Einwohner in größten Schrecken. Zu derselben Zeit brachte das Meer aus sich, auf eine unerhörte und unbegreifliche Art, den Damm hervor, häufte die Steine in solcher Menge zusammen, stellte sie so gewählt — und setzte sie in solcher dauerhaften festen Lage, daß menschlicher Fleiß und Bemühung dergleichen weder auszurichten noch nachzuahmen vermögend sind. Wie man am anderen Tage kam, das Werk mit vereinter Kraft anzufangen, fand man mit Erstaunen alles schon aufs vollkommenste hervorgebracht.“

Bis heute beschäftigen sich Geologen mit dem Heiligen Damm und seiner Entstehungsgeschichte. Dass der Steinwall wirklich in nur einer Nacht errichtet wurde, lässt sich leicht verneinen. Über Jahrhunderte oder Jahrtausende wurde eiszeitliches Material an der Steilküste westlich des Heiligen Dammes abgetragen und vor der Niederung des Conventer Sees angespült, wodurch der heutige Steinwall entstand. Ganz verwerfen muss man die Legende jedoch nicht: Vielleicht hat diese sagenumwobene Nacht nicht den gesamten Damm aufgehäuft, aber eine Schwachstelle im Wall geschlossen und damit das Schicksal der Bewohner zum Guten gewendet.