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Stories 25: Der Architekt Paul Korff

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  1. Folge 25: Der Architekt Paul Korff Audiofish Stories 4:17
Architektur

Paul Korff gehörte bis zum zweiten Weltkrieg zu den erfolgreichsten Architekten Mecklenburg-Vorpommerns. Sein Schaffen umfasste Gutsanlagen, Villen, Wohnhäuser, Geschäftsbauten, Ställe, Denkmäler sowie Inneneinrichtungen oder Möbelentwürfe. Geboren wurde Paul Korff am 25.10.1875 in Laage. Im Alter von 21 Jahren begann er für den Oberhofbaurat Gotthilf Ludwig Möckel zu arbeiten. Möckel war in der Neogotik Zuhause und erschuf Bauten, wie das Ständehaus in Rostock oder das Jagdschloss von Gelbensande. 1899 gründete Korff zusammen mit seinem Kollegen Alfred Krause die Firma Krause & Korff — Atelier für Architektur, Kunstgewerbe und Bauausführungen. Seine ersten Erfolge feierte das Büro mit Geschäftsbauten. 1903 war Korff Bauleiter für das Wertheim-Kaufhaus in Rostock. Das Wertheim-Kaufhaus spiegelte ein komplett neues Geschäftsmodell wieder: Durch Transportmittel, wie die Eisenbahn, konnten Waren in größerer Menge und aus weit entfernteren Regionen angeliefert werden. Damit stieg das Warenangebot für den Kunden, weshalb größere Lagerräume und Verkaufsflächen nötig wurden. Ladengeschäfte innerhalb eines Wohnhauses waren dafür schlicht zu klein. Das Warenhaus um 1900 war nicht nur ein reiner Geschäftsbau, sondern setzte auch auf die modernste Technik, wie Rohrpost, Registrierkassen, Rolltreppen und hydraulische Aufzüge. Die Kröpeliner Straße in Rostock entwickelte sich unter diesen Maximen zur Einkaufsmeile der Stadt. Viele Neubauten und Umgestaltungen kamen unter der Federführung von Paul Korff zustande. Leider überlebten nur wenige seiner Bauten die Bombenangriffe des zweiten Weltkrieges.

1912 löste Korff die Verbindung mit Alfred Krause auf. Unabhängig davon, dass ihr Büro in Rostock war, hatte Korff stets seinen Lebensmittelpunkt in Laage beibehalten. Bereits 1906 baute er ein Wohnhaus für seine Familie in der Bahnhofsstraße. Nach der Trennung von Krause eröffnete Korff ein eigenes Büro. Direkt neben seinem Wohnhaus wurde ein weiteres Gebäude gesetzt, das als Büro für seine 20 - 25 Mitarbeiter diente. Es begannen die erfolgreichsten Jahre des Architekten. Neben den Geschäftsbauten hatte Korff ein zweites Standbein etabliert: die Neugestaltung von Herrenhäusern und Gutsanlagen. Über die Jahrhundertwende gründeten sich überall in Deutschland Heimatvereine und propagierten eine Rückkehr zu regionalen Traditionen. Korff war Teil dieser Bewegung, engagierte sich selber in verschiedenen Vereinen und kam so zu den meisten seiner Aufträge. Stilistisch sind seine Bauten an den Spätbarock des 18. Jahrhunderts angelehnt, der damals als letzte Blütezeit der mecklenburgischen Schloss- und Herrenhausarchitektur gesehen wurde. Jedoch wollte Korff keinen bloßen Abklatsch nach historischen Stilelementen bauen, sondern die Gebäude harmonisch in die Landschaft und in die Bautradition einfügen, ohne auf die Errungenschaften der Neuzeit zu verzichten. Die Fülle an Aufträgen zeigt, dass ihm dieser Drahtseilakt gelungen war. Die meisten Anfragen kamen aus Mecklenburg-Schwerin, aber er baute auch in Pommern, Ostpreußen, Brandenburg oder im Rheinland.

Mit dem zweiten Weltkrieg endet die Erfolgsgeschichte von Paul Korff. Seine Ideen hatten sich weiter entwickelt, er interessierte sich für das Neue Bauen und den Expressionismus. Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten waren die Ideen dieser Stilrichtungen nicht mehr gefragt. Seine letzten großen Werke wurden das Teterower Ehrendenkmal und die katholische Kirche in Güstrow. Am 02. Mai 1945 stirbt Paul Korff durch Suizid. Was bleibt sind seine Bauten, die auch über 70 Jahre später noch zahlreich in Mecklenburg-Vorpommern anzutreffen sind. Sei es in Rostock, Teterow, Boitzenburg, Güstrow, Wendorf oder in Laage.