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Wissenschaft

Direkt an der Bundesstraße zwischen Malchin und Teterow liegt das kleine Dorf Remplin. Einst stand hier ein beeindruckendes Schloss der Adelsfamilie von Hahn, dessen Nordflügel als einziger Zeuge einer Brandstiftung überlebt hat. 1779 erbte Friedrich II. von Hahn nach dem Tod seines Vetters das Gut Remplin. Er verlegte seinen Wohnsitz in das Schloss und begann die Wirtschaft des Guts anzukurbeln. Zusätzliche Herrenhäuser, eine modernisierte Landwirtschaft sowie eine Glashütte erhöhten die Einnahmen des Großgrundbesitzers. Am Ende seines Lebens konnte er 60 Güter sein Eigen nennen — davon alleine 44 in Mecklenburg, womit er der reichste Grundbesitzer nach dem Landesherren war. Trotz dieses unglaublichen Vermögens war Friedrich II. von Hahn kein Mensch dem Luxus und Verschwendung zusagten. Seine Passion war die Wissenschaft. Er war aber nicht nur Liebhaber, sondern ein ernsthafter Forscher, der Mathematik und Astronomie studiert hatte. Von seiner eigenen Sternwarte aus untersuchte er die Himmelsgebilde. Neben vieler anderer Instrumente verfügte er über mehrere Spiegelteleskope, die damals zu den größten Europas gehörten. Die Ergebnisse seiner Beobachtungen überliess er der Nachwelt in 17 Veröffentlichungen.

Ab dem Jahr 1802 darf sich Friedrich II. von Hahn als Graf bezeichnen. Diese Ehre wird ihm aber nur drei Jahre zuteil. Am 9. Oktober 1805 stirbt er im Alter von 63. Mit nur wenigen Jahren Abstand waren sowohl seine Frau, wie auch sein ältester Sohn gestorben. Der Schmerz ließ den Grafen schnell altern, wovon er sich nicht mehr erholen konnte.

Erbe des großen Vermögens wurde der jüngere Sohn Karl Friedrich von Hahn. Er ging als „Theatergraf“ in die Geschichte Mecklenburgs ein. Aus seiner großen Leidenschaft für das Theater entwickelte er eine wahre Obsession. Karl Friedrich von Hahn hatte kein Gespür für Geld, es war ihm wichtig, dass alles möglichst prunkvoll und luxuriös gestaltet sein soll. Das ganze Leben war für ihn eine Aufführung. Sein Optimismus sowie sein Tatendrang konnten zwar wahrlich Berge versetzen und Menschen begeistern, jedoch merkte er selten, wie eine Vielzahl seiner Freunde ihn nur wegen seines Geldes ausnutzten.

In Remplin hatte Karl Friedrich von Hahn als erstes die Bibliothek des Vaters räumen lassen, um dort eine Theaterbühne einzurichten. Schnell merkte er, dass für seine Vorstellungen eine größere Bühne mit mehr technischer Raffinesse hermusste. Er entschied die ehemalige Glashütte zu einem Theater umzubauen. Jeden Tag kamen Lieferungen voller teuerer Stoffe, Requisiten oder Spezialeffekten zum Schloss. 1806 wurde das Theater mit 300 Sitzplätzen und der modernsten Technik eröffnet. Im ersten Jahr spielte der berühmte Schauspieler und Dramatiker August Wilhelm Iffland in Remplin. Möglich war dies nur, weil Karl Friedrich von Hahn ihm ein völlig überzogenes Honorar angeboten hatte. Der Adel der Umgebung besuchte das Theater gerne, jedoch musste der Theatergraf stets etwas nachhelfen — mit einem Souper, einer Gartenpartie oder einer Übernachtungsmöglichkeit. Rissen alle Stricke wurden die Ränge mit Bediensteten aufgefüllt. Es dauerte nicht lange bis das Geld sich dem Ende neigte. 1808 schritten die Verwandten des Grafen ein. Karl Friedrich von Hahn wurde als geschäftsunfähig erklärt und aller Ämter enthoben. In nur drei Jahren hatte er das ganze Vermögen durchgebracht und einen Schuldenberg von über einer Million Reichstaler angesammelt. Um dem vollständigen Konkurs zu entkommen, musste die Familie von Hahn 1816 das Schloss in Remplin sowie viele andere Güter verkaufen. Karl Friedrich von Hahn kehrte nie wieder nach Remplin zurück, seine Theaterleidenschaft zog ihn durch das ganze Land, liess ihn manchen Erfolg und manche Niederlage erleben, aber erfreute ihn bis zu seinem Tode am 21. Mai 1857 in Altona.



Weiterführende Literatur & Links

  1. Schöder, Rosemarie (1998): Malchin und Remplin.
  2. Schöder, Rosemarie (2010): Der Theatergraf Carl-Friedrich von Hahn.
  3. Förderverein der Sternwarte in Remplin.
  4. Kunstausstellungen & Veranstaltungen in der ehemaligen Schlosskapelle.