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Stories 23: Familie Mevius & die Wassermühle in Kuchelmiß

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  1. Folge 23: Familie Mevius & die Wassermühle in Kuchelmiß Audiofish Stories 4:29
Technik

In Kuchelmiß, nördlich gelegen von Krakow am See, wartet eine Wassermühle auf interessierte Besucher. 1751 wurde das bis heute erhalten gebliebene Mühlengebäude aus massiven Außenmauern und Fachwerk errichtet. Genutzt wurde der Platz am Unterlauf der Nebel aber schon viele Jahre zuvor. Die erste urkundliche Erwähnung einer Mühle in Kuchelmiß geht auf das Jahr 1558 zurück. Die Wassermühle hatte über die Jahrhunderte stets die gleiche Aufgabe: sie zermahlte Getreide zu Mehl für die umliegende Bevölkerung. Nur, dass sie im Gegensatz zu einer Windmühle als Antriebskraft das fließende Wasser der Nebel nutzte. Vorteilhaft ist dabei, dass Wasserkraft eine natürliche und erneuerbare Energiequelle darstellt. Der Flusslauf ist nur wenig vom Wetter abhängig, während fehlender Wind eine klassische Mühle stilllegt. Um aber genügend Energie zu gewinnen, muss ein Gewässer mit ausreichendem Gefälle vorhanden sein, welches auch in trockenen Perioden genügend Wasser führt. Aus diesem Grund haben sich in küstennahen, flachen Regionen die Windmühlen und in den Bergen die Wassermühlen durchgesetzt. Die eiszeitlich geprägte Hügellandschaft rund um Kuchelmiß bot die passenden Bedingungen für eine Wassermühle an.

Im Jahr 1912 übernahm Herbert Mevius als neuer Pächter die Mühle. Zusammen mit seiner Ehefrau Marie führte er die Wirtschaft über die schweren Jahre des ersten und zweiten Weltkrieges. Familie Mevius hatte vier Kinder: Lotti, Mieke, Ilse sowie Herbert junior, der eines Tages als Müllermeister die Wassermühle übernehmen sollte. 1938 wurde Herbert junior zum Militärdienst eingezogen. Sechs Jahre später meldete man ihn als vermisst. Nach Kriegsende zog die jüngste Tochter Ilse zurück zu ihren Eltern nach Kuchelmiß. Als Lehrerin arbeitete sie zwei, drei Jahre im nahen Wilsen. Ab 1948 widmete sie sich ganz der Mühle und begann eine Lehre zu Müllerin. Die Lokalzeitung berichtete um 1950 folgendes:

„Ein wirkliches Fräulein Müller — Immer mehr, bisher nur den Männern vorbehaltende Berufe erschließen sich heute auch unseren Frauen, und es wird nicht mehr lange dauern, dann ist die Frau aus der Werkstatt als Gesellin oder gar Meisterin nicht mehr wegzudenken. Jetzt hat Mecklenburg auch eine Müller-Gesellin. Ilse Mevius von der Mühle Kuchelmiß im Kreise Güstrow bestand am Mittwoch ihre Gesellenprüfung für das Müllerhandwerk mit „Gut“. Stolz erzählte Ilse Mevius uns, dass sie von Beruf Lehrerin sei, ihre Eltern in Kuchelmiß die Mühle hätten, die sie einmal übernehmen würde. „Kurz entschlossen habe ich umgeschult und nach 1 1/2-jähriger Lehrzeit konnte ich meine Gesellenprüfung ablegen. Ich hoffe, dass ich recht bald auch die Meisterprüfung ablegen kann; eigentlich ja erst nach fünf Jahren, aber vielleicht gibt es einen Weg, diese Zeit herabzusetzen.“

Nach dem Tod des Vaters übernahm Ilse die Mühle und wurde 1956 Meisterin in ihrem Handwerk. Nur vier Jahre später gab sie ihre Tätigkeit als einzige Müllerin Mecklenburgs wieder auf. Die Umstrukturierungen in der Landwirtschaft der DDR machten die Mühle zum Bestandteil einer LPG. Statt Mehl zu mahlen wurde bis 1972 nur noch geschrotet, um Futtermittel für Nutztiere herzustellen. 1980 wurde der Betrieb endgültig eingestellt und die Wassermühle zum technischen Denkmal erklärt. Die ganze Zeit über lebte Mutter Mevius in der Müllerswohnung. In den letzten Jahren bis zu ihrem Tod 1982 wurde sie von ihrer Tochter Mieke gepflegt. Mieke selber wurde zur letzten Bewohnerin der Mühle. 1998 zog sie in einen Seniorenpflegeheim und starb ein Jahr später. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass die Wassermühle in Kuchelmiß heute ein Museum ist. Nicht nur kann man die Ausstattung und die Technik der Mühle kennenlernen, sondern auch durch die ehemalige Müllerswohnung streifen und sich vorstellen, wie das Leben der Familie Mevius hier wohl ausgesehen hat.



Weiterführende Literatur & Links

  1. Scheidsteiger, Daniel (2003): Wassermühle Kuchelmiß - Geschichte und Geschichten.