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Sport und GesundheitNatur

Das Naturschutzgebiet Kösterbeck bietet Spaziergängern, Wochenendausflüglern und Hundebesitzern eine abwechslungsreiche Landschaft zum Entdecken und Erkunden. Auf dem hügeligen Gelände wechseln sich Heide, Mischwald und Nadelgehölzer ab, es finden sich moorige Täler, kleine Wasserläufe und steile Hänge. Gerade durch Letzteres wird das Gebiet auch liebevoll die Rostocker Schweiz genannt. Gezeichnet wurde diese Landschaft vor ungefähr 10.000 Jahren von der Weichsel-Eiszeit. Aus Skandinavien kommend, verbreitete sich das Eis bis an die schleswig-holsteinische Ostküste, in die Mark Brandenburg und bis nach Nordrussland. Vor sich her schob der Gletscher allerlei Geröll. Als die Ausdehnung durch einen Temperaturwechsel zum Stillstand kam und langsam der Rückgang des Eises einsetzte, blieb das Geröll als Hügel oder Wall liegen. Diese Gebiete werden Endmoränen genannt und finden sich z. B. in der Lüneburger Heide, aber auch im Naturschutzgebiet Kösterbeck wieder.

Ende der 1930er Jahre wurde die Rostocker Schweiz als Wintersportgebiet entdeckt. Durch die Kriegsvorbereitungen wurden die Produktionsstätten der Ernst Heinkel Flugzeugwerke AG in Rostock deutlich vergrößert. Zahlreiche Ingenieure und Facharbeiter kamen aus Süddeutschland in die Hansestadt und suchten nach Möglichkeiten ihren gewohnten Hobbys aus der Heimat nachzugehen. Zu DDR-Zeiten hob man die sportlichen Möglichkeiten der Rostocker Schweiz auf ein neues Niveau. 1970 beantrage das Institut für Schiffbau Rostock beim Bauamt des Kreises eine Genehmigung für die Errichtung einer Skischleppe und einer Schutzhütte rund um den Freundschaftsberg. Mit der Fertigstellung der Bauten war das nördlichste Skigebiet der DDR eröffnet. Vom 66 m hohen Freundschaftsberg führte die Abfahrt ins Tal Richtung Beselin. 1978 organisierte der Deutsche Turn- und Sportbund zusammen mit der Freien Deutschen Jugend und dem Rat der Stadt Rostock einen Wintersportwettkampf. Die Ostsee-Zeitung berichtet am 21. Februar 1978: „300 aktive Teilnehmer gab es beim Langlauf, Abfahrtslauf, Rodeln und Biathlon. Mit einem zünftigen Eintopfessen und der Siegerehrung in der Gäststätte Kösterbeck fanden die Winterspiele einen würdigen Abschluss.“

Nach ungefähr 10 Jahren Betrieb stand das nördlichste Skigebiet der DDR am Ende. Der Lift war durch mangelhafte Wartung unbrauchbar geworden und milde Winter hatten die Erinnerungen an das Wintersportvergnügen verblasst. Heute finden sich auf der Freundschaftshöhe noch Reste der Skischleppe und im Tal kann man das Fundament der Schutzhütte entdecken. Doch auch ohne diesen Luxus, zieht es bis heute Scharren an Menschen in die Rostocker Schweiz. Ist die Freundschaftshöhe mit genügend Schnee gesegnet, zischt ein Rodelschlitten nach dem Anderen die kurze, aber intensive Abfahrt hinunter.



Weiterführende Literatur & Links

  1. Jawinsky, Johanna (2007): Rund um den Schlossberg: Kösterbeck-Fresendorf-Roggentin, Geschichte und Geschichten, Hrsg.: Interessengemeinschaft "Natur und Heimat" der Ortsgruppe der Volkssolidarität Roggentin.