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PolitikGeschichte

Die Reformation des christlichen Glaubens und damit die Spaltung in die verschiedenen Konfessionen führte Europa in einen blutigen Krieg. Mit dem Aufbegehren der protestantischen böhmischen Stände, welche im Jahre 1618 durch den Prager Fenstersturz ihren Höhepunkt fanden, begann der Dreißigjährige Krieg. Gestritten wurde nicht nur über die Freiheit des Glaubens, sondern es tobte ein Kampf um die Vorherrschaft auf dem Kontinent. Ein Gewirr aus verschiedenen Parteien und Konfliktherden zog dreißig Jahre seine Spur durch Europa und hinterließ Armut, Leid und Tod. In dieser schweren Zeit profitierten nur wenige vom Kriegszustand. Einer von ihnen war Albrecht von Waldstein, genannt Wallenstein. 1583 geboren führte Wallenstein lange Jahre ein unauffälliges Leben als Großgrundbesitzer. Eine gute Intention und dazu der passende Mut, katapultierten die Karriere Wallensteins voran. Er setzte auf den habsburgischen Erbkaiser Ferdinand, der am 20. August 1619 wirklich zum Kaiser gekrönt wurde. Wallenstein fiel durch wirtschaftliches Geschick und militärische Raffinesse am Hof des Kaisers auf. Für Ferdinand war Wallenstein der geeignete Kandidat für die Heeresführung der kaiserlichen Truppen. Auf dem absoluten Höhepunkt seiner Macht bestand die kaiserliche Armee aus knapp 110.000 Mann, die vom General Obrist Feldhauptmann Wallenstein angeführt wurde.

Nachdem der habsburgische Kaiser in Böhmen die Revolte der Stände beendet hatte, begann 1625 der Konflikt mit dem protestantischen Königreich Dänemark. Wallensteins Truppen zogen über Niedersachsen nach Mecklenburg, gewannen eine Schlacht nach der anderen, drängten die Armee des dänischen Königs zurück und eroberten wichtige Stellungen. Da die dänischen Inseln nur über den Seeweg erreicht werden konnten, waren insbesondere die Hansestädte im Fokus Wallensteins. Während das mecklenburgische Wismar den kaiserlichen Truppen nichts entgegensetzen konnte, hielt eine Hansestadt der Belagerung stand. Noch im Herbst 1627 hatte Wallenstein versucht Stralsund zu einer friedlichen Lösung zu bringen. Mit einer Contributionszahlung von 150.000 Reichstalern hätte sich die Stadt freikaufen können, doch der Stralsunder Rat schlug das Angebot aus. Stattdessen wurden die Verteidigungsanlagen verbessert und Söldner eingekauft. Im Frühjahr 1628 begann die Belagerung der Hansestadt. 15 Regimente hatte Wallenstein nach Stralsund beordert, um die Stadt militärisch in die Knie zu zwingen. Während die kaiserlichen Truppen gegen die Mauern anrannten, versuchte der Stralsunder Rat eine Allianz mit Dänemark und Schweden zu schmieden. Am 28. Mai 1628 trafen die ersten skandinavischen Hilfstruppen ein und übernahmen die Kontrolle über die Stadt. Über einen Monat später trat Wallenstein mit zusätzlichen Truppen selber vor die Tore Stralsunds. Sein Plan war es die Stadt drei Tage und drei Nächte pausenlos stürmen zulassen und sie mit Gewalt zu erobern.

„Am 28sten Juni Abends um halb 11 Uhr setzte der Feind auf die neue Schanze vor dem Tribbeseischen Thore an, wich aber bald zurück und fing mit drei Regimentern vor dem Frankenthore heftig zu stürmen an, welches die ganze Nacht hindurch währte. Dieser Sturm ist in der ganzen Belagerung der härteste und größeste gewesen, und ließ es sich bei demselben an, als ob die Feinde obsiegen würden, weil die Stralsundischen aus beiden Schanzen wichen, indem sie glaubten, weil aus Unvorsichtigkeit durch einen Funken von den Lunten eine Tonne Pulvers angezündet war, daß unter der hintersten Schanze eine Mine gemacht und gesprengt sei, daher ihnen der Feind, wie sie hierüber in Bestürzung und Verwirrung gerathen waren, eifrigst nachsetzte und sie bis an das Thor trieb. Hieselbst aber trat der allmächtige Gott ins Mittel und gab den Stralsundern bald wieder einen solchen Heldenmuth, daß sie von Neuem ansetzten, beide Schanzen wieder eroberten und den Feind mit Verlust von 1000 Mann, wie die Gefangenen hernach berichteten, zurücktrieben.“

Wallensteins Plan war gescheitert. Ungefähr zur gleichen Zeit landete der dänische König Christian mit 100 Schiffen und 8000 Mann an Bord auf der Insel Rügen. Diese Gefahr benötigte die volle Aufmerksamkeit Wallensteins, weshalb er die Belagerung vor Stralsund beendete und mit seinen Truppen weiterzog. Der pommersche König Bogislaw XIV. versicherte, dass Stralsund gegenüber dem Kaiser loyal bleiben würde. Auch wenn die Abwehr der kaiserlichen Truppen für die Hansestädter ein Grund zum Feiern war, stürzte sich die Stadt durch die Allianz mit Schweden in eine tiefe Abhängigkeit. Die stolze Hansestadt wurde zu einem schwedischen Provinzstädtchen und konnte sich erst 1814 aus ihren Fesseln befreien.