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TechnikEssen & Trinken

Windmühlen sind Denkmäler jener bedeutsamen Zeit, in der Menschen die Energie des Windes für den Antrieb von Maschinen nutzbar gemacht haben. Sie zeugen von Erfindungsgeist, Geschicklichkeit und Fleiß in einem sehr alten und lebenswichtigen Handwerk. Wann genau die ersten Windmühlen gebaut wurden, ist wissenschaftlich nicht restlos gesichert. Vorstellbar ist, dass die Technik bereits vor 3000 Jahren eingesetzt wurde. Als erster bekannter Beweis für die Existenz von Windmühlen wird eine frühmittelalterliche Schriftquelle aus der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts angesehen. In der Gesellschaft hatten die Müller meist einen sehr schlechten Ruf. Zum einen standen sie in einem besonderen Abhängigkeitsverhältnis von der feudalen Obrigkeit, zum anderen benötigten sie große technische Fertigkeiten, um die komplizierte Technik zu beherrschen. Der Umgang mit den Naturkräften erschien einfacheren Menschen als unheimlich, weshalb den Müllern oft ein Bündnis mit dem Teufel unterstellt wurde. Da die Mühlen außerhalb der Dörfer und Städte standen, waren ihre Betreiber selten in die Gemeinschaft integriert. Viele Spottverse, Neckreime und Spukgeschichten aus vergangenen Zeiten zeugen von dem schlechten Stand der Müllerzunft.

Die holländische Windmühle in Stove wurde 1889 vom Müllermeister Tiedemann in Auftrag gegeben. Am selben Ort stand schon zuvor eine Mühle, jedoch ist deren ursprüngliches Entstehungsdatum unbekannt. Über die Jahre scheiterten immer wieder Müller an der Aufgabe, die Windmühle gewinnbringend zu betreiben. Ende der 1920er Jahre wurde der Betrieb vorübergehend eingestellt. Die damaligen Besitzer - ein Bankier und ein Bauunternehmer aus Hamburg - sahen die Mühle als reines Spekulationsobjekt. 1940 übernahm der Müllermeister Hans Mirr den Betrieb. Über die schweren Kriegsjahre lies Mirr das Korn mahlen und produzierte in der eigenen Bäckerei Brot, welches noch bis 1960 per Fuhrwerk in die umliegenden Dörfer ausgefahren wurde. 1976 stellte Hans Mirr den Betrieb aus Altersgründen ein. Entgegen aller Schwierigkeiten und den hohen Instandhaltungskosten hatte er während der gesamten Zeit nicht auf den Windantrieb verzichtet, obwohl mittlerweile dampf- und elektrobetriebene Mühlen der Standard waren. In Stove steht mit aller Wahrscheinlichkeit die letzte Mühle Mecklenburgs, die bis zur ihrer endgültigen Stilllegung mit Windantrieb arbeiten konnte und auch noch heute voll funktionstüchtig ist.

Die Wandlung des Korns zum feinen Mehl ist ein langwieriger Prozess: Bevor mit dem Mahlen begonnen werden kann, muss das Getreide gereinigt werden. Mit unterschiedlichen Maschinen werden Eisenteile, Verunreinigungen wie Spreu, Staub und Sand sowie Unkrautsamen und Mutterkörner ausgesondert. Danach gelangt das Korn in die Schälmaschine, wo die äußere Schälschicht, der Keimling und das Bärtchen abgerieben werden. Das übrig gebliebene, gereinigte Getreide durchläuft zuerst den Quetschstuhl, in welchem es ausgedrückt wird, um danach im Walzenstuhl von den scharfen Stahlwalzen zerkleinert zu werden. Im nächsten Schritt wird das Mahlgut in die Bestandteile Mehl, Dunst, Grieß und Schrot sortiert. Bis das Mehl die gewünschte Feinheit erreicht hat und nur noch die Kleie übrig ist, können bis zu 10 Durchgänge über den Walzenstuhl vergehen. Zum Schluss wird das Mehl aller Durchläufe gemischt und in Säcke geleitet.

2 Jahre nachdem Hans Mirr den Betrieb eingestellt hatte, kaufte der Rat des Kreises Wismar die Mühle und machte aus ihr ein Denkmal der Produktionsgeschichte mit integrierten Museum. Im Gegensatz zu vielen Mühlengebäuden, die mittlerweile als Gaststätte, Ferienunterkunft oder dergleichen dienen, ist die Windmühle von Stove bis heute in Betrieb. Im Gebäude selber kann man sich den Mahlprozess anschauen und später im dorfeigenen Heimatmuseum die Backwaren kosten. Alleine das frische Brot aus dem Lehmbackofen macht den Ausflug nach Stove lohnenswert.